Heute haben wir wieder einmal ein paar Überlegungen und Informationen aus der Rubrik „Wie ich mich als echte*r Triest-Profi zu erkennen gebe“ für Euch: Heißt das weiße Märchenschloss in der Bucht von Grignano jetzt eigentlich korrekt Miramar oder Miarmare. Wer auf Social Media ein Bild von einem der beliebtesten Schlösser Italiens postet, riskiert belehrende Kommentare. Und zwar in jedem Fall. Denn schreibt man Miramare, wird man rasch zurechtgewiesen, man möge doch bitte nicht diese ahistorische Italienisierung des ursprünglichen Namens mitmachen. Nennt man aber das Märchenschloss Miramar, findet sich gern jemand, der anmerkt, das Schloss gehöre seit 1918 dem italienischen Staat und man möge den offiziellen Namen zur Kenntnis nehmen, den es seither trägt.
Tatsache ist: Erzherzog Ferdinand Maximilian, der Erbauer des weißen Schlosses in der Bucht von Grignano hat sein Anwesen Miramar genannt. Eine lateinische Inschrift auf einer Tafel im Park, bei den Stufen zur Anlegestelle, lässt daran keine Zweifel. Den Namen soll er von einer Spanienreise mitgebracht haben. Tatsache ist aber auch: Von Beginn an machte die mehrheitlich italienischsprechende Bevölkerung daraus ein „Miramare“. Und als 1918 der italienische Staat Eigentümer des Schlosses wurde, ersetzt man nicht nur das habsburgische Wappen durch das Kreuz das Königshaus Savoyen, sondern machte Miramare amtlich. Ein politisches Statement natürlich: Triest ist italienisch, das Schloss ist italienisch und der Name auch.
Man kann also getrost sagen: Wie man es nennt, macht man es falsch – oder eben richtig. Je nach Perspektive. Die Diskussion um die korrekte Bezeichnung ist übrigens so alt wie der Bau. Schon im September 1858 belehrt die Triester Zeitung, die damals wichtigste deutschsprachige Publikation der Stadt, ihr Publikum, in Presse und Volksmund schleiche sich die „fälschliche Benennung ‚Miramare‘ ein“. Der spanische Name Miramar bedeute einfach „Blick aufs Meer“, während Miramare zwar italienisch klinge, „aber von Sprachforschern schwerlich als eine glückliche oder selbst nur korrekte anerkannt werden dürfte“ und allenfalls „bewundere das Meer“ heißen könne. „Wir glauben, den Lesern einen Dienst zu leisten, indem wir sie auf die richtige Sprech- und Schreibart des fürstlichen Wohnsitzes aufmerksam machen, welcher bald eine der Hauptzierden unserer Umgebung bieten wird.“ Alles klar?
Das und eine Menge mehr über Miramar(e), seine beiden Bewohner Charlotte und Maximilian, die politischen Hintergründe ihres Mexiko-Abenteuers, ihre Zeit in Triest, die vielen Gerüchte, Mythen und Legenden um das glamouröse Paar und vieles mehr finden sich übrigens in unserem neuen Buch, einer Doppelbiographie von Charlotte von Belgien und Maximilian von Habsburg: Von Miramare nach Mexiko. https://www.ueberreuter.at/shop/von-miramare-nach-mexiko/ – erscheint am 7. September!
